Von Anna Stemmann

Die Comicserie um den kleinen gelben Reporterhund Ferdinand erscheint seit 2009 monatlich auf der letzten Seite in der Kinderzeitschrift Dein SPIEGEL. Die Figur recherchiert, ermittelt und schreibt dabei als tierischer Journalist über vielfältige Themen und gerät unverhofft immer wieder in chaotische Situationen. Für die Gestaltung des Comics zeichnen Ralph Ruthe und Flix in dynamischer Arbeitsteilung verantwortlich. Während Ruthe die Text-Szenarien entwickelt, fertigt Flix dazu die Zeichnungen an. Zum vierten Mal erscheint nun bei Carlsen ein Sammelband mit ausgewählten Episoden und damit ein gelungenes Kompendium für all diejenigen, die Ferdinands Abenteuer am Stück genießen wollen oder nicht regelmäßig die Zeitschrift lesen.

Aus dem Alltag eines Reporterhundes

Die kurzen Geschichten um Ferdinand folgen einem immer gleichen Erzählmuster: Ferdinand bekommt von seinem oftmals ruppigen Chef einen Rechercheauftrag und begibt sich auf die Spuren ganz unterschiedlicher thematischer Felder. Von Haien über Weihnachten bis zum Mittelalter reicht das inhaltliche Spektrum in alle Richtungen. Dass Ferdinand dabei mehr oder weniger obligatorisch stets in verfängliche, lustige oder absurde Situationen gerät, macht den besonderen Charme der Reihe aus. So stolpert er etwa mit einer Kiste voller Katzenbabys durch das Büro, wird bei seinem Besuch beim klassischen Orchester durch seine Verdauungsprozesse ablenkt, geht auf Höhlenerkundung oder lernt die Feinheiten der Kuchenbäckerei kennen. Gleichzeitig werden neben diesem humorvollen Duktus nonchalant die wichtigsten Fakten zum jeweiligen Themenschwerpunkt miterzählt, sodass die Comics immer eine gelungene Balance zwischen Unterhaltungs- und Sachcomic realisieren.

Spielarten von Bild und Text

Der Spagat gelingt vor allem durch die Divergenz von Bild- und Schrifttext, denn die detailverliebte visuelle Ebene unterläuft immer wieder lustvoll den sachlich begleitenden Schrifttext im Blockkasten oder bildet diesen wortwörtlich ab, was zu ironischen Brechungen führt. Der zylindrische Laternenhai erscheint dann beispielsweise als Hai in Dandy-Manier mit Monokel, Gehstock und Zylinder. Zu entdecken gibt es im Bild aber noch viele weitere Dinge: kleine Figuren, die im Hintergrund ihre eigenen Abenteuer erleben, Gegenstände der Alltagskultur, Schilder mit merkwürdigen Aufschriften oder ein Cameo Auftritt von Flix selbst, der auf dem Weihnachtsmarkt an einer Bude im Nebengeschehen eine Currywurst isst. Die Zeichnungen sind außerdem mit diversen Anspielungen aus dem populärkulturellen Bilderhaushalt gespickt und laden in jedem Panel dazu ein, sich auf die Suche nach weiteren Verweisen zu machen. Der mittelalterliche König sitzt auf einem Thron der direkt aus Westeros entsprungen zu sein scheint und auch eine figürliche Ähnlichkeit zu King Joffrey aus Game of Thrones ist nicht von der Hand zu weisen. Diese Reminiszenzen der Popkultur richten sich vor allem an den mehrwissenden Leser und eröffnen eine charmante Dimension der zusätzlichen Komik. Aber auch ohne alle Referenzen zu decodieren, bietet der vierte Sammelband um Ferdinand erneut rundum gelungene Unterhaltung für alle großen und kleinen Leser.

Literatur

Ruthe/Flix: Ferdinand. Der Reporterhund. Band 4. Hamburg: Carlsen 2017.