Drachenzähmen leicht gemacht 2 – Rezension

Anika Ullmann

Es hat sich Einiges geändert in Berk, dem kleinen Wikingerdorf in den Klippen am Meer. Die Tage der Furcht vor den Drachen sind vorbei. Statt einander zu bekämpfen, sind Tiere und Menschen nun zu einer Gemeinschaft

verschmolzen.

In der von Drachen befeuerten Esse

der Schmiedewerden Drachenreitsättel, keine Schwerter mehr hergestellt und man vergnügt sich grundsätzlich damit, miteinander zu spielen, zu kuscheln und sich im Wettfliegen zu messen. Einzig die Beziehung von Oberhaupt Haudrauf und seinem Sohn Hicks ist angespannt. Haudrauf möchte seinen Sohn in die Pflichten eines Stammesanführers einweisen, doch Hicks erkundet lieber mit seinem Drachen, dem Nachtschatten Ohnezahn, ferne Landstriche. Auf einer dieser Reisen erfahren Hicks und seine Freundin Astrid von einer Bedrohung: Drago Blutfaust fängt Drachen um aus ihnen eine Armee zu machen. Die neue, harmonische Gesellschaft von Berk ist in Gefahr. Hicks bricht auf, um mit Drago zu reden und ihn von der friedlichen Natur von Drachen zu überzeugen.

Eine gute Mischung

Es gibt viele Aspekte die Drachenzähmen leicht gemacht 2 sehenswert machen. Die Darstellung der verschiedenen Drachen und ihr Zusammenleben mit den raubeinigen Wikingern ist äußerst fantasie- und humorvoll gestaltet. Flug- und Aktionszenen sind mitreißend, vermeiden dabei aber stets zu langatmig zu werden oder die Handlung aus den Augen zu verlieren. Wie schon der erste Teil, überzeugt Drachenzähmen leicht gemacht 2 jedoch besonders durch die Leichtigkeit mit der hier Themen verhandelt werden. Hicks, die Hauptfigur, hat seit den Ereignissen des ersten Teils eine Beinprothese, eine Tatsache, die ihn zum Spiegelbild seines Drachen Ohnezahn macht, der seit Anfang des ersten Teiles eine Flügelprothese braucht. Hicks Metallbein fällt während der Handlung kaum auf. So ist der Film eben keine Geschichte über ‘Leben mit Behinderung’, sondern ein Abenteuer eines Jungen, der nunmal eine Prothese hat. Ebenso angenehm ist, dass die weiblichen Mitglieder der Gruppe gleichberechtigt neben die männlichen gestellt werden. Vor allen Astrid ist eine gekonnte Drachenreiterin, kann kämpfen und steht Hicks an Mut in nichts nach. Dieser Tatbestand bleibt im Film unkommentiert, wird so klar zur Norm erhoben. Gerade deshalb ist der einzige Kritikpunkt, den sich der Film gefallen lassen muss umso enttäuschender: Die Handlung dreht sich dennoch um einen Jungen, der erkennen muss, dass es als Sohn seines Vaters seine Pflicht ist den Stamm anzuführen. Machtanspruch und Männlichkeit sind hier noch fest miteinander verwoben und werden nicht unterwandert.

Der Wille zum Frieden

Hicks und Ohnezahn sind nicht die einzigen Figuren des Films, welche Körperteile in den Auseinandersetzungen zwischen Drachen und Menschen verloren haben. Es ist der Verlust seines Armes, so eröffnet Drago Blutfaust inmitten der Schlacht, der ihn zu einem Mann hat werden lassen, der sich nichts mehr wünscht, als die Vernichtung aller Drachen. Vergebung, symbolisiert durch die Freundschaft von Hicks und Ohnezahn, und Rache werden als gegensätzliche Prinzipien zentral im Film verhandelt. Hier wiederholt sich das Thema des ersten Teiles. Erneut geht es darum, Feindbilder aktiv zu hinterfragen und Greueltaten nicht mit neuem Blutvergießen zu beantworten. Auf gewisse Weise stehen sich hier zwei ältere Männerfiguren gegenüber, Haudrauf der Stoische, der sich im ersten Teil von seinem Sohn hat überzeugen lassen neue Wege zu beschreiten, und Drago Blutfaust, der nicht bereit scheint, seinen Hass ablegen zu wollen. Mit dieser Grundbotschaft, einer Warnung vor sich steigernden Gewaltspiralen und der Betonung, dass Frieden möglich ist, solange der ungebrochene Wille dazu da ist, ist der Film nicht nur relevant als positiver multikultureller Ausblick, sondern ebenso erschreckend passend für das aktuelle politische Klima in Gaza. Daher mag sich bei der Rezeption durchaus eine doppelte Lesart einstellen, die Hicks, der unbeirrbar versucht zu vermitteln, einerseits als mutigen Fantasyhelden wahrnimmt und andererseits als Blaupause für einen modernen Jugendlichen, der nicht bereit ist, die Kriege seiner Elterngeneration weiterzuführen, der Kommunikation dem Hass entgegensetzt.

Drachenzähmen leicht gemacht 2 startete am 24.7.2014 in den Kinos