Godzilla: King of the Monsters

Godzilla: King of the Monsters ist das Sequel des 2014 erschienenen Films Godzilla und Teil des „Monsterverse“ von Publisher Warner Bros. Während der erste Teil der Reihe Godzilla als monströsen Protagonisten einführte und ihm zwei ‚MUTOS‘ (Massive Unknown Terrestrial Organisms) entgegenstellte, setzt der Nachfolger auf ein ganzes Arsenal an monströsen Kreaturen. Fans der legendären Filmechse freuen sich unter anderem auf Mothra, Rodan und King Gidorah. Im Schatten dieser Riesen tummelt sich zusätzlich ein großer Cast menschlicher Figuren, unter anderem Millie Bobby Brown, welche die Tochter des Forscher-Ehepaars Russell spielt. Die Familie hat die Aufgabe, dem Film eine anschlussfähige menschliche Perspektive zu geben. Warum dies nicht gelingt, zeigt unsere Rezension.

Monster hui …

Regisseur Michael Dougherty ist ein großer Fan der japanischen Godzilla-Filme, wie man unter anderem in diesem Interview nachlesen kann. Man sieht dem Film an, dass er sehr viele Inspirationen aus den popkulturellen Vorlagen zieht und sich bemüht, die verwendeten Kaiju bestmöglich in Szene zu setzen. Dies gelingt ihm trotz der Menge an auftretenden Monstern überraschend gut. Der Film nimmt sich Zeit für die Einführung der (nicht-menschlichen) Akteure und verleiht ihnen eine Menge Charakter. Wie schon im ersten Teil ist Godzilla eine Art Champion des Planeten und patrouilliert nun die Weltmeere. Die ihm folgenden Menschen duldet und ignoriert er dabei so lange, bis durch die gewaltsame Erweckung neuer Kreaturen die Zeit zum Handeln gekommen ist.

Sein Gegenspieler King Gidorah wird als rivalisierender Alpha eingeführt, ein Kaiju, der sich Godzilla nicht unterwirft und gleich stark, wenn nicht sogar stärker ist. Die dreiköpfige Hydra ist nicht nur zerstörungslustiger als Godzilla, sie steckt auch ansonsten voller Eigenschaften, die ein guter Filmschurke mitbringen sollte. King Gidorah will die Kontrolle über alle anderen Kaiju übernehmen und das Ökosystem des gesamten Planeten verändern, was den Untergang der Menschheit bedeuten würde. Für ein turmhohes Monster hat der Antagonist dabei auch seine komischen Momente, zum Beispiel, wenn die drei Köpfe regelmäßig miteinander streiten (und man als Easter Egg in einer Szene Röntgenbilder der drei Schädel sieht, die klar zeigen, dass nur der mittlere von Gidorahs Köpfen über ein großes Gehirn verfügt).

Auch die anderen Kaiju werden fantasievoll und visuell beeindruckend präsentiert. Publikumsliebling Mothra wird als kleinstes Monster auf der Leinwand geradezu feenhaft dargestellt, nur um in der finalen Konfrontation ihre furiose Kämpfernatur zu zeigen. Und Rodan schwingt sich in seiner Screentime direkt zu einem der verschlagensten und rückgratlosesten fliegenden Echsen der Filmgeschichte auf.

… Menschen pfui

In der Inszenierung der Kaiju macht Godzilla sehr viel richtig. Man sollte meinen, dass dies für das Genre des Monsterfilms eigentlich genügen sollte. Doch weit gefehlt, denn leider gibt es da noch diese nervigen Menschen, die einen großen Teil des Films einnehmen und versuchen, Bedeutsames zur Handlung beizutragen.
Es gibt die streng geheime Forschungsorganisation Monarch, die wie im ersten Teil auch die Nistplätze der Kaiju überwacht. So gut aufgestellt Monarch auch scheint, lassen sie sich im Film dennoch mehrmals von einer Gruppe Ökoterroristen überrumpeln, die ihre Stützpunkte überfallen und die dort verwahrten Kaiju schlüpfen lassen. Zum Ziel und Zweck dieser Aktion kommen wir gleich. Zuletzt gibt es noch ein riesiges Figurenarsenal an Forscher*innen, Soldat*innen und Politiker*innen.

Wer jetzt denkt, dass ein Monsterfilm ja auch einfach genügend menschliches Verschleißmaterial braucht, der könnte enttäuscht werden. Denn all die eben beschriebenen Gruppen haben ihre eigenen Plots und werden nicht müde, diese ausufernd zu erklären. Die Ökoterroristen wollen etwa die Zerstörung der Welt durch den Menschen verhindern und dazu mittels der Kaiju ein neues natürliches Gleichgewicht herstellen. Monarch möchte die Monster weiter erforschen und rationale Erklärungen zu ihrer Herkunft und für ihr Verhalten finden. Die vereinten Nationen möchten die Kaiju schließlich am liebsten vernichten.

Entzauberung der Phantastik

Leider schafft der Film es nicht, diese Plots zu stützenden Narrativen auszubauen. Wie die Gruppe der Terroristen sich vorstellt, die Welt durch die Entfesslung gigantischer Monster zu retten, bleibt jenseits einer ideologisierten Rede unklar. Die Forscher*innen um Monarch bekommen sehr viel Gelegenheit, in ihren hochtechnologisierten Forschungszentren über die Verhaltensweisen und Hintergründe der Kaiju zu diskutieren. Es werden viele Mutmaßungen über interessante Themen angestellt, wie zum Beispiel die Machtstrukturen der Kaiju. Leider laufen diese Momente meist ins Leere, geben der Handlung keine neuen Bedeutungsebenen oder ändern einfach mitten im Gespräch ihre Tonalität. Ein Beispiel kann das verdeutlichen:

Dr. Ishiro Serizawa: There are some things beyond our understanding, Mark. We must accept them and learn from them. Because these moments of crisis are also potential moments of faith. A time – when we either come together or fall apart. Nature always has a way of balancing itself. The only question is… What part will we play?
Mark Russell: Did you just make that up?
Dr. Ishiro Serizawa: No. I read it in a fortune cookie once. A really long fortune cookie.

Der erste Satz des Zitats wird ernsthaft vorgetragen und könnte durchaus eine bedeutungsvolle Aussage sein, die eine Lesart des Films ermöglicht. Doch direkt im Anschluss wird der Ton in (sehr unpassende erscheinende) Komik verändert. Dies ist auch das Ende des Dialogs, was Zuschauer*innen das Signal liefert, dass die Gedanken von Dr. Serizawa so wichtig nicht sein können.
Wie in dieser Szene verhält es sich mit vielen Gesprächen und Erklärungen im Film. Es wirkt, als hätte man im Drehbuch selbst keine guten Gründe gefunden, die Geschehnisse des Films zu erklären. Die Frage bleibt, warum man sich dagegen entschieden hat, die phantastische Komponente der Ereignisse durch eine Bewahrung des Unerklärbaren stärker zu betonen.

Das kleine Drama im Großen

Godzilla versucht durch die Schilderung von Einzelschicksalen eine Anschlussfähigkeit für die ‚menschliche‘ Ebene des Films zu erzeugen. Diese Aufgabe kommt vor allem der bereits erwähnten Familie Russell zu, um die sich große Teile der Handlung drehen. Die Geschichte der Familie (bestehend aus Mutter Emma, Vater Mark und Tochter Madison) ist eng mit Godzilla verknüpft. Beim ersten Angriff der Kaijus auf Los Angeles im Jahr 2014 verloren sie in dem Chaos ihren Sohn. Die Ehe der Russells ging in die Brüche. Mutter Emma forscht nun für Monarch, der Vater hat sich in die amerikanische Wildnis zurückgezogen und studiert Wölfe. Tochter Madison lebt bei der Mutter, sie ist das einzige Bindeglied, welches den Kontakt zwischen den Eltern aufrecht erhält.

Auch 2019 wird die Familie nicht verschont. Dr. Russell und ihre Tochter werden bei einem Angriff der Terroristen auf eine Forschungseinrichtung entführt, Vater Mark wird daraufhin von Monarch aus der Isolation geholt und soll dabei helfen, die Familie wieder aufzuspüren, denn die Forschung der Mutter ist essentiell für die Kommunikation mit den Kaiju.

Mürrische Väter, empathische Töchter

Während Emma nach dem Tod ihres Sohnes erst recht versucht, eine Verbindung zu den Wesen aufzubauen, möchte Mark Godzilla am liebsten tot sehen. So wird der Vater zu einem typischen Antihelden aufgebaut, der wider seinem Willen der Organisation helfen muss, die er für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht. Stets wird betont, wie wenig die Figur an der globalen Dimension des Geschehens interessiert ist. Einer zentralen Identifikationsfigur ist also die Menschheit egal und seine wissenschaftlichen (und prototypisch kernig-männlichen) Fertigkeiten setzt er nur dafür ein, seine Tochter wiederzufinden.

Madison wiederum ist einen Großteil des Films in einer passiven Rolle. Dies ist logisch aufgebaut, schließlich befindet sie sich schnell in der Gewalt der Terroristen. Zu Beginn deutet der Film jedoch eine Besonderheit der Figur im Verständnis der Kaiju an. Ohne es direkt anzusprechen, wird Madison gegenüber den Monstern als besonders empathisch inszeniert, sie scheint mit ihnen eine Verbindung zu haben, die den anderen (erwachsenen) Figuren fehlt. Anders als alle anderen Akteure sieht sie Godzilla und Co. nicht als Objekte, sondern als Subjekte ohne utilitaristischen Nutzen.

Als Zuschauer wartet man daher auf einen Schlüsselmoment, der Madison für die Erzählung relevant werden lässt, die kindliche Figur eventuell sogar eine Lösung finden lässt, welche die Erwachsenen nicht erkennen können. Für eine weite Strecke des Films fehlen Madison jedoch die Mittel, irgendeine relevante Handlung umzusetzen. In den ersten beiden Dritteln des Film ist sie eine typische ‚Jungfrau in Nöten‘, ein Mittel zum Zweck, um andere Figuren zur Handlung zu motivieren. Erst zum Finale kann sie eine aktive Rolle einnehmen. Sie klaut das Kommunikationstool und schafft es durch dessen Einsatz, King Gidorah und Godzilla zu ihrer Position zu locken (dem Fenway Park in Boston). Diese Entscheidung Madisons bestimmt den Austragungsort der finalen Konfrontation und wirkt im ersten Moment tatsächlich bedeutsam.

Die Szene wird jedoch sogleich dadurch entwertet, dass Godzilla sich eh in Richtung des rivalisierenden Alphas auf dem offenen Meer bewegt – nun wird stattdessen die Stadt Boston in Schutt und Asche gelegt. Über das Anlocken der Kaijus hinaus hat Madison keine weitere Bedeutung. Ihre angedeutete empathische Begabung wird letztlich nicht auserzählt, das Anlocken von King Gidorah erfolgt mittels eines technischen Geräts und hätte von jeder beliebigen Figur ausgeführt werden können.
Direkt danach wird Madison wieder zu einer passiven Figur und muss von ihrem Vater und dem Militär gerettet und aus der Stadt evakuiert werden. Der Rest des Films gehört dann den animierten Protagonisten und ihrer entscheidenden Konfrontation, hier sind sämtliche Menschen nur noch Zuschauer.

Long live the King!

Godzilla: King of Monsters möchte ein ‚typischer‘ Monsterfilm sein, gleichzeitig aber auch andere Topoi des Blockbuster-Kinos abhaken. Statt den Kaijus die uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu widmen, werden typische Erzählstränge des Katastrophenfilms um menschliche Figuren herum gebaut, die aber allesamt nicht die Zeit oder Relevanz bekommen, um sich ausreichend entfalten zu können. Am Beispiel von Madison zeigt sich diese Phänomen besonders deutlich. Die Erzählung lädt ihre Rolle kontinuierlich mit Bedeutung auf, findet schließlich aber nur eine unbefriedigende Verwendung, weshalb die Inszenierung ins Leere verläuft. Die menschlichen, familiären und kindlichen Subplots sollen für mehr Bezugspunkte der Zuschauer dienen, sorgen letztlich aber für eine Zerfaserung der Erzählung. Dadurch wird eher der gegenteilige Effekt erzielt, die Anschlussfähigkeit wird erschwert, da keine der Figuren glaubhaft und tiefergehend ausgearbeitet wird.

Godzilla: King of Monsters ist immer noch ein guter Monsterfilm, der zu viel Raum für menschliche Nebendarsteller bietet, die nichts zur Geschichte beitragen. Spannender wäre es eventuell gewesen, Menschen stärker in der Rolle der machtlosen Beobachter zu zeigen. So bleibt es eine epische Monsterschlacht, die viel zu oft quälend lange Szenen von Menschen zeigt, die um Besprechungstische herum stehen und sich mit viel zu vielen Worten viel zu wenig sagen.

Medien

Godzilla: King of the Monsters. Michael Dougherty. Warner Bros. Pictures 2019. Film.

Godzilla: King of the Monsters. Official Trailer 2. Warner Bros. Pictures 2018. URL: https://www.youtube.com/watch?v=KDnKuFtdc7A. [Datum des Zugriffs: 28.06.2019]. Youtube-Video

Quizon, Justin: Michael Dougherty Interview – Godzilla: King of the Monsters. Screen Rant 2019. URL: https://screenrant.com/godzilla-2-king-monsters-michael-dougherty-interview/ . [Datum des Zugriffs: 28.06.2019]. Webseite.

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