Literatur


Nicht so das Bilderbuchmädchen

Seit Sam vor kurzem mit seinen Eltern gegenüber in die Wohnung von Zara und ihrer Mutter eingezogen ist, beobachtet Zara den Jungen immer wieder. Denn: Sam weint fast jeden Nachmittag, wenn er in seinem Zimmer ist. Zaghaft beginnt Zara eine vorsichtige Kontaktaufnahme mit Zetteln, die sie in ihr Fenster klebt. Sam geht nach kurzem Zögern darauf ein, antwortet mit Botschaften und schrittweise entwickelt sich eine Freundschaft zwischen beiden Figuren, ohne dass sie tatsächlich miteinander sprechen. Allein die geschriebenen Nachrichten, die sie ihrem Gegenüber an das Fensterglas halten, sind ihr Medium….

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Diversity im Bilder-, Kinder- und Jugendbuch

In den letzten Monaten sind einige Bücher erschienen, die ganz selbstverständlich von Diversität – also vielfältigen Lebens-, Rollen- und Familienmodellen – erzählen, ohne diese Konstellationen explizit zu markieren oder zu problematisieren. Damit wird eine Vielfalt gezeigt, die einfach zum Leben dazugehört und nicht als Konflikt ins Zentrum gerückt wird. Es lassen sich dabei ganz verschiedene Aspekte finden, die neben der eigentlichen Geschichte miterzählt werden. Diese Texte sorgen dafür, dass Diversität nicht nur als Normabweichung erscheint, sondern ganz unaufgeregt da ist. Eine Auswahl solcher Texte stellt der Beitrag vor. Familiäres Miteinander…

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Adoleszenz im Problemviertel: Sonne und Beton

Felix Lobrechts 2018 bei Ullstein erschienener Debütroman Sonne und Beton ist eine zeitgenössische Milieustudie, die viel Aufmerksamkeit erzeugt hat. Die Erzählung dreht sich um Lukas und seine Freunde Gino, Julius und Sanchez, vier Jugendliche, die in der Berliner Gropiusstadt aufwachsen. Glaubhaft und mit Blick für Details schildert die Geschichte den Alltag zwischen Schule, Party und der Suche nach ein bisschen mehr Kohle. Der Klapptentext liest sich, als erzähle der Roman ein besonderes Ereignis im Leben der Figuren und eine Pressestimme verspricht ein „furioses Finale“. Warum dieses nur bedingt eingelöst wird…

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Cybermobbing in der Schule

Lars Mein Freund

Iben Akerlie verhandelt in ihrem Jugendbuch Lars, mein Freund das Thema Cybermobbing im schulischen Kontext und wählt dafür einen ungewöhnlichen Einstieg in ihre Geschichte. Als Amanda nach den Ferien zurück in die Schule kommt, ändert sich ihr Leben schlagartig, als ihr und ihren Mitschülern in der Klasse die neuen Erstklässler als ‚Patenkinder‘ zugeteilt werden: Statt ein Patenkind aus der ersten Klasse zu bekommen, wird Lars, der mit Amanda in eine Klasse gehen soll, ihr Patenkind. Lars mit dem Down Syndrom, vor dem sich Amanda fürchtet: Wie wird Lars sein? Wird…

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Die Reise zum Mittelpunkt toxischer Männlichkeit

Cover Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes

Die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Feminismus, Gender-Divergenzen und fragwürdige Rollenbilder, Zuschreibungen und Machtgefällte ist – das zeigten in diesem Jahr Hashtags wie #metoo, #toxicmasculinity und #menaretrash – aufgeladen. Während die einen sich für Diversität, Gerechtigkeit und Vielfalt einsetzen, fühlen sich andere bedroht und sehen ihre bewährten und komfortablen Machtstrukturen im Prozess der Auflösung begriffen. Sich diesen gegenwärtigen sozio-kulturellen Kontext des Jahres 2018 zu verdeutlichen, ist wichtig, wenn man den neuen Roman Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes von Finn-Ole Heinrich liest. Vor der Folie zeitgenössischer Verhandlungen und zunehmender Infragestellung von…

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Science Fiction meets History meets Fantasy meets…!?

In Lauren James Roman Forever again. Für alle Augenblicke wir beginnt im Jahr 2039 Katherine „Kate“ in England ihr Biologiestudium und trifft auf Matthew „Matt“, zu dem sie sich unmittelbar hingezogen fühlt. Bleibt er zunächst ‚nur‘ Laborpartner, entwickelt sich zwischen beiden eine Romanze, die unter ‚normalen‘ Umständen nichts Besonderes wäre. Allerdings findet Kate im Internet zufällig Artikel, Interviews und Blogeinträge einer Katherine „Kate“ aus dem Jahr 2019, die an einen Matthew „Matt“ gerichtet sind. Diese Vorgeschichte verkompliziert die Beziehung des Paares Kate und Matt im Jahr 2039 ungemein, denn sie…

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Letztendlich geht es nur um dich

David Levithans Fortsetzung zu „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ Der Klappentext von David Levithans Letztendlich sind wir dem Universum egal beschreibt den Roman als „Die bezaubernde Fortsetzung des SPIEGEL-Bestsellers“. Diese Aussage verwundert, denn eine Fortsetzung ist Levithans Letztendlich geht es nur um dich nicht. Vielmehr ist der Roman noch einmal die Erzählung der Geschichte des Vorgängers, mit einem Wechsel der Innensicht auf Rhiannon, die weibliche Hauptfigur. Diese Verschiebung könnte durchaus ein interessantes literarisches Experiment sein, fühlt sich aber eher wie ein wirklich langweiliges Déjà-vu an. Worum es (erneut) geht…

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Ferdinand

Die Comicserie um den kleinen gelben Reporterhund Ferdinand erscheint seit 2009 monatlich auf der letzten Seite in der Kinderzeitschrift Dein SPIEGEL. Die Figur recherchiert, ermittelt und schreibt dabei als tierischer Journalist über vielfältige Themen und gerät unverhofft immer wieder in chaotische Situationen. Für die Gestaltung des Comics zeichnen Ralph Ruthe und Flix in dynamischer Arbeitsteilung verantwortlich. Während Ruthe die Text-Szenarien entwickelt, fertigt Flix dazu die Zeichnungen an. Zum vierten Mal erscheint nun bei Carlsen ein Sammelband mit ausgewählten Episoden und damit ein gelungenes Kompendium für all diejenigen, die Ferdinands Abenteuer…

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Erdbeertage

Hinter dem etwas blumigen Titel Eine Woche voller Erdbeertage (2017) verbirgt sich eine interessante Anthologie, die sich den unterschiedlichsten Facetten der Menstruation widmet. Damit steht ein Thema im Zentrum, das immer noch gesellschaftliches Tabu ist, bzw. häufig nur verklausuliert angesprochen wird. Man denke etwa an absurde Werbungen für Slipeinlagen, die jegliches rotes Farbsignal tilgen und stattdessen blaue Flüssigkeit einsetzen. Den Missstand des Nicht-Sagens reflektiert die Herausgeberin Gesa Kunter in ihrem knappen Vorwort und bricht es auf, „Denn seine Tage zu bekommen, ist durchaus etwas, über das man sprechen kann.“ (S….

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PaulaPaulTom ans Meer

„Weg. Bloß weg. Nichts wie weg. […] Mit dem Zug ans Meer.“ (S. 5) Unvermittelt beginnt Gabi Kreslehners kurzer Roman PaulaPaulTom ans Meer (2016) mit der sehnsuchtsvollen Beschreibung eines Weggangs. Dass dahinter die 15-jährige Paula steckt, wird umgehend aufgedeckt, ebenso, dass sie tatsächlich in einem Zug sitzt und wegfährt. Nur die Umstände ihres Aufbruchs stehen ihrer Vorstellung deutlich entgegen und auch das Ziel ist noch nicht das richtige. Paula fährt nicht für sich allein ans Meer, sondern muss ihren zwei Jahre älteren Bruder Paul abholen. Dieser hat eine geistige Behinderung…

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