Literatur


Regenbogentage

In Regenbogentage von Nora Dåsnes beginnt die Geschichte um die 12-jährigen Tuva nicht zufällig mit dem letzten Tag der Sommerferien, als sie ihrem Vater zuruft: „Bin noch mal kurz im Spielhaus.“ (o.S.) Das Spiel ist im weiteren Verlauf zentrales Leitmotiv für Übergänge und Veränderungen im Heran- und Herauswachsen aus der Kindheit. Dabei stehen auch die endenden Sommerferien als zeitliches Symbol für das Ende einer Lebensphase. Am Anfang des neuen Schuljahres stellt Tuva nämlich fest, dass sie auf einmal nicht mehr wie vorher mit ihren beiden besten Freundinnen spielen kann und…

Lesen

An die, die wir nicht werden wollen

Wiederkehrendes Leitmotiv in Nils Mohls Romanen ist das Heranwachsen in all seinen bisweilen chaotischen Dimensionen. Dies spiegelt sich vor allem in den komplexen Konstruktionen der Romane, mit achronologischen Zeitebenen und intermedialen Verweisen wider. Genau dies zeigt sich nun auch in Mohls neuestem Text An die, die wir nicht werden wollen (2021). Nach langer Prosa-Durststrecke, allein verkürzt durch Ausflüge in die Lyrik im letzten Jahr, hat Mohl nun endlich einen neuen Text vorgelegt. Mosaik des Heranwachsens Man kann diesen neuen Text kaum Roman nennen, es ist viel mehr eine Text-Collage, ein…

Lesen

Esther und Salomon

Elisabeth Steinkellner stand jüngst mit ihrem Roman Papierklavier im Zentrum der Kinder- und Jugendliteraturwelt: Die Bischofskonferenz verweigerte dem Text die Auszeichnung mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Während die offiziellen Gründe nur vage umrissen wurden, kursierten schnell verschiedene Vermutungen. Was auch immer die tatsächliche Ursache gewesen sein mag, es ist schon reichlich verwunderlich und vielleicht auch bezeichnend. Ein Roman, der so selbstverständlich von gesellschaftlicher Vielfalt, Selbstbestimmung, facettenreichem Miteinander in der Familie, Freundschaft und Liebe für den eigenen Körper erzählt – und dies in eine ästhetisch komplexe Form übersetzt -, gilt…

Lesen

Der Himmel über dem Platz

Drückende Sommerhitze, hitzige Fußballspiele und fußballerische Konkurrenzen – Martina Wildners neuer Roman Der Himmel über dem Platz bietet alles für die perfekte sommerliche Lektüre. Dies dürfte auch für alldiejenigen gelten, die sich weder für Fußball interessieren noch gerne selbst kicken, denn die Geschichte wartet mit einigen unterhaltsamen (wenn auch nicht immer überraschenden) Wendungen auf und trifft vor allem das laue Sommerferien-Feeling in einer latent chaotischen Patchwork-Familie ziemlich punktgenau. Unerhörte Ereignisse Viele der Merkmale und Motive aus Wildners bisherigen Romanen finden sich hier wieder. Nach Die Königin des Sprungturms im Turmspringerinnenmilieu…

Lesen

Schlafen wie die Rüben

Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich haben in den letzten Jahren gemeinsam (Trecker kommt mit) oder allein (Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte; Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt) sowohl im Hinblick auf die Form als auch auf den Inhalt interessante und ungewöhnliche Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Mit viel Freude wird bei ihnen die Sprache geformt, variiert und die erzählerische Form ausgelotet. Eine wichtige Rolle spielen dabei oft auch Illustrationen und Hauptfiguren, die sich kaum in eine Norm pressen lassen. Nun haben sie mit Schlafen wie die Rüben…

Lesen

Adventure Huhn

Coverbild des Comics Adventure Huhn

Diese Rezension schreibe ich am Dienstag, den 03. November, gegen 23:30 Uhr. Seit gestern gelten erneut schärfere Bestimmungen für das öffentliche Leben und das Finale einer schrecklich anzuschauenden US-Wahl nimmt seinen Lauf. Warum ich das an dieser Stelle schreibe? Weil Leserinnen und Leser zum Ende des Jahres 2020 so viele Feel-Good-Medien in die Finger kriegen sollten, wie es nur geht. Für mich persönlich gilt dies auf jeden Fall. Und damit möchte ich Adventure Huhn der Autorin und Zeichnerin Franziska Ruflair schon jetzt nachdrücklich empfehlen, schon wegen des Titels und des…

Lesen

Papierklavier

Elisabeth Steinkellner veröffentlicht bereits seit einigen Jahren regelmäßig ungewöhnliche und vielschichtige Kinder- und Jugendbücher (Die Kürbiskatze kocht Kirschkompott (2016), Rabensommer (2015)), sowie Lyrik (Die Nacht der Falter und ich (2016)) und hat sich als wichtige Stimme der österreichischen KJL profiliert. Prägnant sind neben den hervorragenden Texten dabei immer wieder auch die Illustrationen, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler_innen entstehen und ihre Werke nicht nur begleiten, sondern eng damit verwoben sind. Steinkellners neuestes Jugendbuch Papierklavier wurde von Anna Gusella illustriert und erweist sich als einfühlsames Werk, das geschickt das Potential des…

Lesen

Schamlos schön

Die Pubertät – kaum ein Begriff ist wohl rückblickend betrachtet als Erwachsene, aber auch in der erlebten Gegenwart als Teenager mit so vielen Beklemmungen, Unsicherheiten und Irritationen versehen. Nina Brockmann und Ellen StØkken Dahl widmen sich nach ihrem Debüt Viva la Vagina (2017) nun dieser Lebensphase und haben – zumindest in der deutschsprachigen Ausgabe – einen knallpinken Ratgeber vorgelegt, um sich in der Pubertät zu orientieren. Das norwegische Original ist in der Farbwahl deutlich gedeckter gehalten und sendet weniger aufdringliche Signale, dass es sich hierbei vermeintlich um ein Buch für…

Lesen

Victor Jestin: Hitze

Der erste Satz von Victor Jestins Roman Hitze verdeutlicht schonungslos den Tenor der folgenden Geschichte: „Oscar ist tot, weil ich ihm beim Sterben zugesehen habe, ohne mich zu rühren.“ (S. 7) Erzählt wird dies eindringlich aus der Perspektive des 17-jährigen Léonard, der mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern die Sommerferien auf einem Campingplatz an der französischen Atlantikküste verbringt. Bezeichnenderweise beginnt der Roman am letzten Tag des Urlaubs, „der letzte Freitag im August“ (S. 7), und betont damit in der doppelt markierten zeitlichen Dimension zweier letzter Tage, dass es um…

Lesen

Der Wald der außergewöhnlichen Tiere

In Ally Bennetts Roman Der Wald der außergewöhnlichen Tiere, 2019 bei Kosmos erschienen, gelingt einer Gruppe exotischer Zootiere bei einem Transport die Flucht in einen Wald. Ihr Abenteuer beginnt an dieser Stelle erst, denn nicht nur müssen die Tiere sich an die neuen Lebensumstände anpassen, sie müssen sich auch mit den Waldbewohnern auseinandersetzen. Und diese können sich mit den für sie fremden Neuankömmlingen wirklich nicht anfreunden. Der Roman behandelt wichtige Themen wie Flucht, Migration, Fremdenfeindlichkeit und Toleranz und schafft es dabei, diese an eine Leserschaft ab 7 Jahren anzupassen. Der…

Lesen