Literatur


Fantasy trifft auf Psychoanalyse

Magoria. Das Haus der Schatten Richter-Peills Jugendroman, der eine Collage psychoanalytischer Modelle beinhaltet und daher beispielsweise als eine Fantasy-Version C. G. Jungs Archetyp des Schatten gelesen werden kann, beginnt wie ein herkömmlicher Jugendroman: Die 17jährige Maja wird von einer angsteinflößenden Schattenfrau verfolgt, die sich immer in Momenten, in denen sich Maja in ihrer Haut nicht wohl fühlt und sich wünscht, eine andere zu sein, zeigt. Als sie schon befürchtet, wahnsinnig zu werden, wird sie von  einer Aushilfslehrerin, die sich als Schattenjäger-Scout entpuppt, in das Geheimnis der Schatten eingeweiht: Nur bestimmten,…

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Romea die Meerjungfrau oder
Von halben und von ganzen Menschen

Dies ist der zweite Teil der Rezension von Djihad Paradise. Hier geht es zu Teil 1. Achtung: Spoiler! Romea – der halbe Mensch Irgendwie, so könnte man durchaus behaupten, geht es in Djihad Paradise nicht um Terrorismus, sondern um Liebe. Romea und Julian, in Julians Worten die „fetteste Lovestory, die unsere Schule jemals gesehen hatte.“ (21) Hier endet die intertextuelle Vergleichbarkeit jedoch erst einmal. Auch als Bonny und Clyde bezeichnen sich die beiden ab und an, wenn sie vom Ausstieg und von Abenteuern träumen. Doch ein ganz anderer Intertext wird…

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Ein Roadtrip durchs kulturelle und politische Vakuum

Djihad Paradise – Es ist kurz vor Weihnachten. Im einem Einkaufszentrum in Berlin stehen sich zwei Jugendliche gegenüber: Julian und Romea. Beide haben sich einmal geliebt, sind irgendwie sogar verheiratet. Beide sind aufgewachsen in eher unreligiösen, doch grundsätzlich christlichen Familien. Romea trägt ein Kopftuch und Julian eine Sprengstoffweste. Wie kam es dazu? Wie wurden sie zu den Personen, die sie nun sind? Diese Geschichte wird uns retrospektiv, abwechselnd aus der Sicht von Romea und Julian erzählt. Wir erfahren von Julian, dem jungen Hip-Hopper, der schon früh von der Mutter verlassen…

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Dämonisierte Jugendliche in deutscher Problemliteratur II

Teil 2 – Heldenfiguren Im ersten Beitrag dieser Reihe wurde anhand des Beispiels von Brigitte Blobels Liebe wie die Hölle (Blobel 2003) die Figur des Till Kröger analysiert. Dieser ist als klarer Antagonist des Textes gestaltet und stark dämonisiert. Seine negative Ausprägung ermöglicht der Erzählung einfache Lösungen für die aufgeworfenen Probleme. Der Problemroman entfernt sich dadurch von einer realistischen Erzählweise. Böse Jungs und brave Mädchen Im gewählten Text lässt sich weiterhin sehr gut zeigen, wie die einseitige Charakterisierung auch auf andere Figuren ausgeweitet wird. In erster Linie gilt das für…

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Meinungen zu aktuellen Kinderbüchern

Peter Härtling zu Gast bei der F.A.Z.-Literaturveranstaltung „Reden wir über Kinderbücher!“ Zum Auftakt der neuen Staffel der Veranstaltungsreihe „Sonntagsgeschichten“ luden am 4. November 2013 die F.A.Z.-Redakteure Tilman Spreckelsen und Eva-Maria Magel den renommierten Schriftsteller Peter Härtling zum Literaturgespräch ins Redaktionsgebäude der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein, um über fünf aktuelle Kinderbücher zu diskutieren. Wie bei den „Sonntagsgeschichten“, in deren Rahmen Autoren und Autorinnen zwischen November und März aus ausgewählten Büchern lesen, die sich vorwiegend an Kindergarten- und Vorschulkinder richten, kam auch der Erlös dieses Abends der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ – einer Spendenaktion…

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Hackerfiguren in aktuellen Jugendromanen I

In den vergangenen Jahren ist das Internet und die damit verbundenen technischen Neuerungen zu einem immer wichtigeren Thema in der Kinder- und Jugendliteratur (von hier an KJL) geworden. Problemromane setzen sich mit den Gefahren auseinander, die das Internet für Kinder und Jugendliche darstellt, wie etwa Cybermobbing, sexuelle Belästigung und der Umgang mit privaten Daten. Andere Romane zeichnen futuristische Gesellschaften, in denen ‚Connectedness‘ und das Virtuelle des Cyberspace eine zentrale Rolle spielen. Ein weiterer Ansatz mit dem Thema umzugehen und der Fokuspunkt dieser dreiteiligen Blogreihe sind Hackerromane, also Erzählungen in deren…

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Dämonisierte Jugendliche in deutscher Problemliteratur I

Teil 1 – Hassfiguren „Till ist wieder da. Und Marcia spürt wieder die alte Angst.“ (Blobel 2003) Und Marcia hat verdammt noch mal auch allen Grund, Angst zu empfinden, denkt man sich als Leser von Brigitte Blobels Problemroman Liebe wie die Hölle. Denn Till, ein älterer Klassenkamerad, hat Marcia zu diesem Zeitpunkt der Erzählung bereits sexuell belästigt, im Internet Lügen über sie verbreitet, sie mehrfach gestalkt und sie schließlich unter Vorwänden in das Haus seiner Eltern gelockt und dort beinahe vergewaltigt. Im weiteren Verlauf der Handlung werden zwei weitere Vergewaltigungsversuche…

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Unterwegs auf der Leipziger Buchmesse 2013

Oder:  Eine Reise zurück ins Jahr 2011  Wer die beiden großen Deutschen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig in den letzten drei Jahren besucht hat, der wird sich mit Sicherheit daran erinnern, dass die Digitalisierung als das zentrale Thema nicht mehr wegzudenken war. Es wurden Diskussionen auf Podien geführt, Arbeitskreise gebildet und Workshops organisiert, auf denen das Thema Digitalisierung diskutiert und endlich angepackt wurde, um das Bild der Branche zu verbessern und zu zeigen, dass die Branche im Gesamten nicht mehr hinterherhängen möchte. Ein Blick auf das Programm der Leipziger Buchmesse…

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Freiheit und Abgrund

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket Barnaby Brocket ist nicht wie andere Menschen. Von Geburt an scheinen die Gesetze der Schwerkraft nicht für ihn zu gelten. „For Barnaby Brocket, the third child of the most normal family who had ever lived in the southern hemisphere, was already proving himself to be anything but normal by refusing to obey the most fundamental rule of all. The law of gravity.“ (11) Auch liegt es nicht in seiner Macht, ob er nun schweben möchte oder nicht. Barnaby ist einfach schwerelos und dies sehr…

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