Literatur


Letztendlich geht es nur um dich

David Levithans Fortsetzung zu “Letztendlich sind wir dem Universum egal” Der Klappentext von David Levithans Letztendlich sind wir dem Universum egal beschreibt den Roman als “Die bezaubernde Fortsetzung des SPIEGEL-Bestsellers”. Diese Aussage verwundert, denn eine Fortsetzung ist Levithans Letztendlich geht es nur um dich nicht. Vielmehr ist der Roman noch einmal die Erzählung der Geschichte des Vorgängers, mit einem Wechsel der Innensicht auf Rhiannon, die weibliche Hauptfigur. Diese Verschiebung könnte durchaus ein interessantes literarisches Experiment sein, fühlt sich aber eher wie ein wirklich langweiliges Déjà-vu an. Worum es (erneut) geht…

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Ferdinand

Die Comicserie um den kleinen gelben Reporterhund Ferdinand erscheint seit 2009 monatlich auf der letzten Seite in der Kinderzeitschrift Dein SPIEGEL. Die Figur recherchiert, ermittelt und schreibt dabei als tierischer Journalist über vielfältige Themen und gerät unverhofft immer wieder in chaotische Situationen. Für die Gestaltung des Comics zeichnen Ralph Ruthe und Flix in dynamischer Arbeitsteilung verantwortlich. Während Ruthe die Text-Szenarien entwickelt, fertigt Flix dazu die Zeichnungen an. Zum vierten Mal erscheint nun bei Carlsen ein Sammelband mit ausgewählten Episoden und damit ein gelungenes Kompendium für all diejenigen, die Ferdinands Abenteuer…

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Erdbeertage

Hinter dem etwas blumigen Titel Eine Woche voller Erdbeertage (2017) verbirgt sich eine interessante Anthologie, die sich den unterschiedlichsten Facetten der Menstruation widmet. Damit steht ein Thema im Zentrum, das immer noch gesellschaftliches Tabu ist, bzw. häufig nur verklausuliert angesprochen wird. Man denke etwa an absurde Werbungen für Slipeinlagen, die jegliches rotes Farbsignal tilgen und stattdessen blaue Flüssigkeit einsetzen. Den Missstand des Nicht-Sagens reflektiert die Herausgeberin Gesa Kunter in ihrem knappen Vorwort und bricht es auf, „Denn seine Tage zu bekommen, ist durchaus etwas, über das man sprechen kann.“ (S….

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PaulaPaulTom ans Meer

„Weg. Bloß weg. Nichts wie weg. […] Mit dem Zug ans Meer.“ (S. 5) Unvermittelt beginnt Gabi Kreslehners kurzer Roman PaulaPaulTom ans Meer (2016) mit der sehnsuchtsvollen Beschreibung eines Weggangs. Dass dahinter die 15-jährige Paula steckt, wird umgehend aufgedeckt, ebenso, dass sie tatsächlich in einem Zug sitzt und wegfährt. Nur die Umstände ihres Aufbruchs stehen ihrer Vorstellung deutlich entgegen und auch das Ziel ist noch nicht das richtige. Paula fährt nicht für sich allein ans Meer, sondern muss ihren zwei Jahre älteren Bruder Paul abholen. Dieser hat eine geistige Behinderung…

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Ich gebe dir die Sonne

Das Komplettpaket ‚Jugendroman‘ In Jandy Nelsons Roman Ich gebe dir die Sonne sind die Zwillinge Noah und Jude die Hauptfiguren. Diese leben mit ihren Eltern in dem kleinen Örtchen Lost Cove, irgendwo an der amerikanischen Westküste. Als Leser verfolgt man die Wege der beiden Protagonisten über verschiedene Stationen von ihrem 14. bis zu ihrem 17. Lebensjahr. Zu Beginn der Erzählung sind die beiden ein Herz und eine Seele, beste Freunde und Vertraute. Während Jude zu diesem Zeitpunkt kurz davorsteht, in eine Peergroup von coolen Surferkids aufgenommen zu werden, wird Noah als…

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STUBE-Freitag

Die STUBE (kurz für Studien- und Beratungsstelle) Wien widmet sich der Vermittlung von Kinder- und Jugendliteratur und -medien in all ihren Spielarten. So gibt es nicht nur einen Fernkurs (inklusive Zertifikat), der die literaturwissenschaftlichen Grundlagen der KJL thematisiert, sondern auch zahlreiche weitere Veranstaltungen (hier kann nach gelesen werden, was es bisher gab). Ein spannendes Format aus dieser breiten Palette ist der sogenannte STUBE-Freitag. Einmal im Monat widmet sich das Team der STUBE, bestehend aus der Leiterin Heidi Lexe und ihren Mitarbeitern Peter Rinnerthaler, Kathrin Wexberg sowie Claudia Sackl, einem Thema, das auf sehr unterhaltsame, assoziativ…

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Nora

Martin Berdahl Aamundsen erzählt in seinem Bilderbuch, wie der Titel verspricht, von Nora und dem kleinen blauen Kaninchen. Die Grundzüge der Geschichte orientieren sich an einem bewährten Muster, das schnell erklärt ist: Das Mädchen Nora sehnt sich nach einem Gefährten zum Spielen, denn ihre Klassenkameraden scheinen sich nicht für sie zu interessieren. Auf dem Schulweg beschleicht sie das Gefühl, verfolgt zu werden und sukzessive wird ihr offenbar, dass es sich um ein kleines blaues Kaninchen handelt, das ihr anhängt. Schnell wird dieses Wesen zu ihrem dauerhaften Begleiter und sie spielen…

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14

Prolog Tamara Bach gehört seit gut 10 Jahren zu einer der wichtigsten Stimmen in der deutschen Jugendliteratur. Ihre Romane erzählen nicht nur inhaltlich differenziert vom Heranwachsen, sondern verbinden diese Aspekte mit interessanten formalen Konstruktionen. Busfahrt mit Kuhn war beispielsweise als erzähltes Drehbuch angelegt, während in Jetzt ist hier multiperspektivisch fünf Protagonisten ihre Sichtweisen wiedergaben. Bachs neuer Roman 14 (2016) wartet nun mit einer ungewöhnlichen Du-Konstruktion auf. Mit seinen knapp 100 Seiten ist der Band sehr schmal geraten, inhaltlich aber umso dichter gestrickt und virtuos komponiert. Völlig unvermittelt wird man mit…

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George

George geht in die vierte Klasse und hat einen großen Traum. Sie möchte die Spinne Charlotte im Schultheaterstück Wilbur und Charlotte spielen. Doch Charlotte ist eine Mädchenrolle und George, für alle die sie sehen, ist ein Junge. Nur George weiß, dass sie eigentlich Melissa heißen und als biologisches Mädchen leben möchte. Sehnsüchtig blättert sie daher heimlich die Mädchenzeitschriften, die sie, versteckt unter einem Berg von alten Spielsachen, in einer Jeanstasche aufbewahrt, durch und bewundert die dort abgebildeten Mädchenkörper. Den Mut mit ihren Eltern zu sprechen, kann George noch nicht aufbringen….

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Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Der zwölfjährige Bobby Nusku lebt zusammen mit seinem Vater und dessen neuer prolliger Freundin Cindy im Haus, das er vorher zusammen mit seinen Eltern bewohnt hat. Der Vater ist ein grobschlächtiger, leicht reizbarer Mann, der sich schlecht beherrschen kann und Bobby mitunter schlägt. Bobby verkriecht sich immer mehr und widmet sich ganz seinem Archiv, in dem er Dinge seiner Mutter sammelt: Haare, Gegenstände, Fotografien, eben alles, was ihr gehörte, aber auch Dinge bzw. ‚Beweise‘, die er seiner Mutter zeigen kann, wenn sie wieder zurückgekehrt ist. Die Hoffnung, die Bobby in…

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