Literatur


Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters

Es gibt Bücher, bei denen man es bereut, sie nicht früher gelesen zu haben. „Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters“ von Thorsten Nesch ist solch ein Buch. Von der ersten Seite an zieht es die Leser in seinen Bann. Nesch erzählt die Geschichte von Jörn, 17, der erfahren muss, dass sein Vater, den er nie kennengelernt hat, verstorben ist und ihm nicht nur eine Kreuzfahrt vermacht, sondern ihm auch seinen letzten Willen übertragen hat, nämlich seine Asche in Italien zu begraben. Was dann folgt ist eine Roadnovel, eigentlich…

Lesen

Superhelden. Das Handbuch

Der Mythos Superheld Superhelden gehören zu den zentralen populärkulturellen Figuren und Mythen des 20. und 21. Jahrhunderts; seit der Erfindung Supermans 1938 in Comicform folgte eine bisweilen unüberschaubare Anzahl von Helden, deren Geschichten konsequent transmedial – in Filmen, Hörspielen, Comics und Fernsehserien – weitererzählt werden und wurden. Der Mythos des Superhelden konstituiert sich erst aus der beständigen Arbeit daran und ist, wie schon Umberto Eco 1964 prognostizierte, zur Einschreibungsfigur diverser gesellschaftlicher Entwicklungen geworden. Diesem vielschichtigen Mythos widmet sich das Bilderbuch von Sebastien Perez und Benjamin Lacombe – erschienen bei Jacoby…

Lesen

Ludwig I

König der Schafe Mit dem Bilderbuch „Ludwig I. König der Schafe“ hat Olivier Tallec eine Geschichte vorgelegt, die fast ohne Text auskommt. Zum Glück, möchte man sagen, denn die Bilder bestechen durch ihren Detailreichtum und durch ihren Witz – und transportieren gleichzeitig eine Parabel der Selbstüberschätzung, die dem geübten Leser schon aus George Orwells „Animal Farm“ bekannt vorkommen könnte. Die Geschichte oder wie Ludwig zu Ludwig I. wird Sich durchaus an eine breite und damit im Grunde alterslose Leserschaft richtend erzählt Tallec die Geschichte von Ludwig, dem Schafbock, dem eines…

Lesen

Sophie auf den Dächern

Ein Buch wie heiße Schokolade und Kaminfeuer Am Anfang, ein Schiffsunglück. Mitten hinein in die Musik des Orchesters dringen Schreie. Ein Baby wird in die Partitur einer Beethoven Symphonie gewickelt und überlebt, gebettet in einen Cellokasten. Charles Maxim, der ebenso an Bord des untergegangenen Schiffes war, nennt das Findelkind Sophie und nimmt es in der Kutsche mit zu sich nach Hause. Dies tut er sehr zur Unzufriedenheit von Miss Eliot von der Staatlichen Behörde für das Kindeswohl, die einem Mann die Erziehung eines Mädchens hin zu einer anständigen, jungen Dame…

Lesen

Willkommen im Club: How to Be Gay

„Warning: Honestly explicit in parts!“ steht auf dem Klappentext der deutschen Ausgabe von James Dawsons How to Be Gay, dieses Jahr erschienen im Fischer Kinder- und Jugendtaschenbuch. Angelehnt an Warnhinweise auf Filmen und Musikalben wird so ein popkulturell bekanntes Signal gesetzt, dass in diesem Titel kein Blatt vor den Mund genommen wird. Vorausgreifend kann erwähnt werden, dass How to Be Gay genau aus diesem Grund ein starkes, ehrlich wirkendes und informatives Sachbuch für Jugendliche (und Erwachsene) geworden ist, die sich mit dem Themenkomplex des Schwul- und Lesbischseins und der Bi-…

Lesen

Bat-X-Mas III

„A Slaying Song Tonight“ In einer ähnlichen Tradition, die in den letzten beiden Beiträgen schon nachgezeichnet wurde, aber gänzlich anderen Ästhetik erscheint die Kurzgeschichte A Slaying Song Tonight (1996) von Dennis O´Neil und Teddy H. Kristiansen, die in reduzierten und prägnanten schwarz-weiß Strichen erzählt. Batmans Existenz wird hier zunächst von den Bewohnern Gothams selber zum urbanen Mythos erklärt: „Batman is what we call an urban myth. Like alligators in the sewers“ (O´Neil/Kristiansen (2007), 163). Analog dazu agiert Batman dann auch unsichtbar im Hintergrund. Er überführt einen Einbrecher, der als Santa…

Lesen

Bat-X-Mas II

„The Silent Night of the Batman“ Während Teil I der Batman-Weihnachtsgeschichte die Anfänge des Comichelden beleuchtet hat, folgt nun ein Blick auf die Entwicklungen seit den 1970er Jahren. Einen ungewöhnlichen narrativen und dramaturgischen Bogen spannt der kurze Comic The Silent Night of the Batman von 1970. Geschickt werden die dualen Darstellungskanäle von Bild und Text, sowie die Panelarchitektur der einzelnen Seiten eingesetzt, um eine im Superheldenuniversum ungewöhnliche Geschichte zu erzählen, denn der Held selber wird hier nur passiv tätig. Ausgangspunkt ist der Weihnachtsabend in Gotham City. Das erste Panel realisiert…

Lesen

Der Dachs hat heute einfach Pech

Wer kennt dieses Gefühl nicht: Man steht morgens auf und schon geht alles schief. Alles steht im Weg, Dinge fallen hinunter und man ist ganz und gar schlecht gelaunt. Dieses Gefühl, dass sich die Welt gegen einen verschworen hat, haben Moritz Metz und Amélie Jackowski ganz wunderbar eingefangen in ihrem Bilderbuch „Der Dachs hat heute einfach Pech“. Die Handlung Noch im Bett liegend, stößt der Dachs die an seinem Bett stehende Lampe um, die zum Glück heil bleibt. Seine Lieblingstasse hat allerdings weniger Glück: Beim Frühstück fällt sie hinunter und…

Lesen

Bat X-Mas I

Weihnachtliche Spurensuche im DC-Universum In der mittlerweile fast 80-jährigen Erfolgsgeschichte der Superheldencomics hat nicht nur die klassische Verbrecherjagd und Weltrettung Tradition, sondern auch die alljährlichen Festtage geben immer wieder währenden Anlass für Geschichten im weihnachtlichen Gewand. Im DC Verlag werden pünktlich zu den Feiertagen bis heute Sonderausgaben – unter den klangvollen Namen Christmas with the Super-Heroes oder Holiday-Bash – aufgelegt. Superman hilft dann dem beleibten Weihnachtsmann durch den Schornstein zu rutschen, Wonder Woman trägt gleich selber die Päckchen aus und Batman singt munter Weihnachtslieder mit dem Polizeichor (vgl. Action Comics…

Lesen

Weltraumkrümel

Craig Thompson hat endlich wieder einen neuen Comic vorgelegt. Nach den mittlerweile zu Klassikern avancierten Blankets (2003) und Habibi (2011) bringt Thompson mit Weltraumkrümel nun ein nicht minder seitenstarkes Werk von 320 Seiten heraus; richtet sich damit aber erstmals an ein dezidiert mehrfachadressiertes Publikum, bzw. öffnet sich für Kinder – zumindest wird der Comic so einschlägig auf der Website des Verlags beworben. In seiner Konstruktion ist der Comic ‚klassisch‘ doppeltadressiert: für Kinder und Erwachsene ergeben sich differenzierte Leseebenen. Oder aber, wenn man von dieser starren Altersgrenze mal absehen möchte, besser:…

Lesen